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DIE ERSTEN SEGELBOOTE AM SEE

 

Andreas Hasenberger war von 1528 – 1555 nicht nur Abt des Stiftes Ossiach, sondern auch begeisterter Segler und schuf die erste Segelflotte am Ossiacher See. Bei einer im Jahr 1552 stattgefundenen Segelregatta nahm auch Kaiser Karl V. als Ehrengast teil. Möglicherweise war dies die erste Segelsportveranstaltung auf einem Binnengewässer. Da in den Annalen des Stiftes Ossiach kein zweiter segelsportbegeisterter Kirchenfürst vorkommt, ist anzunehmen, dass für Jahrhunderte der See wieder den Fischern alleine gehörte.

Der Holzindustrielle Albert Wirth, ein Vorfahre des heutigen Klubmitgliedes DI Harald Wirth, trat Ende des 19. Jahrhunderts als Eigner einer Segeljacht am Ossiacher See in Erscheinung. Er ließ sich 1898 in Southampton einen Kutter mit Gaffelbesegelung bauen und nahm damit an Regatten in Triest und Venedig teil. Auch der1881 gegründete Ruderverein Villach stellte zur selben Zeit eine in Gmunden gebaute Kielyacht "Schwalbe" in  Dienst.

In den dreißiger Jahren tauchten am Ossiacher See die ersten Segeljollen auf, wobei die am See ansässigen vier Bootsbauer Jaklitsch, Gypser, Standmann und Schützenhöfer auch Segelboote bauten. Zu dieser Zeit kamen die ersten 22m²-Rennjollen von den Brüdern Bäcker, Ing. Mühlböck, Bilowitzki, B. Neuwirth und Fredl Knorr an den Ossiacher See. Die damaligen Segelregatten waren ob ihres ungewohnten Bildes ein Zuschauermagnet. Die Mannschaften unterwarfen sich einer strengen Kleiderordnung – weiße Bordkleidung und weiße Mützen waren selbstverständlich. Der Krieg bereitete dem Segelsport am Ossiacher See vorerst ein Ende. Die Boote wurden teilweise einem Erholungsheim der Deutschen Luftwaffe im Stift Ossiach überlassen. Bei Kriegsende fielen viele Boote in die Hände der englischen Besatzungsmacht.

CLUBGRÜNDUNG IM JAHR 1956

 

Nach dem Krieg bildete sich im Annenheimer Sportverein eine Sektion Segeln, die von Alfred Jaklitsch geleitet wurde. Die damaligen Bootseigner waren die Brüder Jaklitsch, Elmar Zernatto, Richard Gradischnig, Helmut Götz, die Brüder Hütter, Hans Latritsch sowie Herbert Mayer.

1956 war dann auch am Ossiacher See die Zeit reif für den Zusammenschluss der interessierten Segler, um eigene Regatten mit nationalen Standard abzuhalten. So wurde am 24.8.1956 im Clubhaus des Rudervereins Villach die konstituierende Hauptversammlung des Kärntner Yacht Club Ossiacher See (KYCO) abgehalten.

DIE MITGLIEDER DES ERSTEN VORSTANDES WAREN:

 

Obmann: Elmar Zernatto

Obmann-Stellvertreter: Richard Gradischnig

Kassier: Hans Götz

Oberbootsmann: Alfred Jaklitsch

Beisitzer: Dkfm. Ulbing, Walter Isopp, Walter Wagner

 

Die erste Clubregatta fand am 2.9.1956 statt. Bei schwächstem Wind bemühten sich 9 Boote über den Kurs zwischen St. Urban und Ostriach. Die Sieger dieser ersten Regatta war die Mannschaft Zuzzi / Isopp auf einer 22m² Rennjolle vor den Brüdern Hütter auf einer 15er Jolle.

DIE ERSTEN 15 JAHRE

 

In den folgenden Jahren wurde unter dem begeisternden Einsatz jedes Mitgliedes das Fundament für den Aufbau des Clubs gelegt. Clubhaus gab es noch keines, aber der Hotelier Rudolf Schmalzl gewährte in seinem Strandbad LIDO Gastrecht. 1957 wurden bereits 5 Regatten veranstaltet. 6 Starboote, die über viele Jahre auch die prägende Klasse im Club war, vergrößerten den damals noch bescheidenen Bootspark. Vom 14. bis 16.August 1959 wurde die erste Landesmeisterschaft in der 22m² Rennjollenklasse veranstaltet.

1957 konnte für 15 Jahre das Seehaus von Dr. Hans und Elly Pichler als ständige Bleibe für den Club in Annenheim, direkt neben dem Bootsbauer Standmann, gepachtet werden.

Nun gab es einige Zimmer für Clubmitglieder und eine Veranda, von der nun die Regatten von Wettfahrtleiter Hans Götz gestartet wurden. Dazu kam noch ein etwas wackeliger Schwimmsteg, der das Anlegen der Segelboote ermöglichte.

Aus Hamburg wurde ein aus dem Krieg stammendes stählernes Rettungsboot eines Hochseeschiffes erworben, das in der Bootswerft Schmalzl zu unserem Regatta- und Rettungsschiff umgebaut wurde und bis 1979 als unser "Helfer" eine Attraktion am Ossiacher See war. In diesen Jahren wurden jährlich vier bis fünf Regattaserien vor dem Clubhaus gestartet

GFK-Kunststoff wurde zum neuen Material im Bootsbau und löste nicht nur Chancenungleichheit mit älterem Bootsmaterial aus, sondern veranlasste auch viele Bootseigner im Club auf neue Boote umzusteigen. Damit Hand in Hand kam es auch zu den ersten nationalen sportlichen Erfolgen. Unsere jungen Mitglieder Helmut Santer/Robert Maier und Wolfgang Schmalzl/Ernst Wiederschwinger holten die ersten Jugendstaatsmeistertitel am Pirat, Peter Ermann/Christof Zernatto den ersten österreichischen Staatsmeistertitel in der Starboot-Klasse für den KYCO. Viele weitere Titel für den Club sollten folgen.

Durch diese Regattaerfolge gelang es dem KYCO auch nationale Meisterschaftsregatten an den Ossiacher See zu bekommen. So fand dann 1973 die erste Österreichische Staatsmeisterschaft in der Starbootklasse am Ossiacher See statt. Das Strandhotel Lido und das Gerlitzenbad wurden zu Ausweichmarinas adaptiert. Herrliche Westwindwettfahrten unter der Regie von Harald Pieler ließen diese Regatta noch jahrelang in Erinnerung bleiben. Damit war der KYCO in den Kreis der Clubs, die Meisterschaftsregatten ausrichten durften, aufgenommen.

Neben den Meisterschaftsregatten im Starboot und Tempest etablierten sich aber auch in anderen Bootsklassen international bekannte Regatten. Seit den Anfängen hielt man an einer strikten Klassenpolitik fest. 1973 waren im KYCO insgesamt 17 Starboote registriert, von denen einige auch in den Bootswerften Jaklitsch und Schmalzl am Ossiacher See gebaut wurden. Später gab es auch bei Tempest, Dyas, Yngling und Finn Dinghy Felder mit 10 und mehr Booten.

KYCO ÜBERSIEDELT NACH BODENSDORF

 

1972 verlagerte sich das Clubgeschehen nach Bodensdorf, wo das ehemalige Strandbad Janesch und ein angrenzendes Grundstück für 35 Jahre gepachtet wurde. Durch große Kraftaufwendungen und Spenden der Mitglieder konnte das bestehende Badgebäude ausgebaut und ein Clubhaus mit Clubraum, Küche, Mitgliederkabinen und Sanitäranlagen errichtet werden. Der bestehende Steg wurde verstärkt und verlängert und eine Marina mit einem neuem Bootskran errichtet. Die Marina verfügt heute über 40 Wasserliegeplätze, an Land gibt es Stellplätze für weitere 50 Boote.

Die Fertigstellung erfolgte rechtzeitig zum Ende des Pachtvertrages in Annenheim. Am 21.August 1976 erfolgte die feierliche Eröffnung der neuen Clubanlage, die bis heute unser zu Hause darstellt.

DIE SEGELBOOTE DES KYCO

In Bodensdorf intensivierte der Club auch seine Jugendarbeit. In Jugendlagern, anfangs mit MIN-Booten, später mit Optimist-Booten lernten ab 1974 bis heute jährlich bis zu 40 Kinder den Segelsport kennen und für nicht wenige waren diese Kindercamps der Beginn ihrer späteren Segelkarriere. Mit Walter Schlagbauer (Vorschotmann im Tornado), Wolfgang Schmalzl (Ersatzmann im 470er), Xaver Gruber (Vorschotmann im Starboot) und Harald Pieler als Mannschaftsführer stellte der KYCO auch Teilnehmer an Olympischen Spielen.

Mit der Übersiedelung nach Bodensdorf und den damit weit besseren Platzverhältnissen kamen auch im Tornado und vor allem im Laser, davon gab es über 30 Boote im Club, schöne Regattafelder zustande. Waren es in den 70er und 80er Jahren die Starbootsegler Peter Ermann, Kurt Gaggl, Helmut Santer und Christof Zernatto, die für Erfolge sorgten, so waren es dann ab den 90er Jahren die Tempestsegler Roland Bezzi, wieder Helmut Santer und zuletzt Manfred Schumi, die in nationalen und internationalen Regatten erfolgreich waren.

Heute werden in den Klassen Starboot und Tempest jedes Jahr SP-Regatten, in periodischen Abständen auch Staatsmeisterschaften mit internationaler Beteiligung veranstaltet. Die Highlights waren jedoch die Europacupregatta 1994 und die Weltmeisterschaft 1996 in der Tempestklasse. Nach einer erfolgreichen EC-Regatta 1994 als Generalprobe stand der WM 1996 nichts mehr im Wege.

TEMPEST WM 1996 AM OSSIACHER SEE

 

Für die 40 Teilnehmer aus 5 Nationen begann die WM mit Warten auf Wind. Nach Dauerregen und Flaute gab es bis Donnerstag nur eine gültige Wettfahrt. Doch dann setzte an den letzten beiden Tagen herrlicher Westwind ein und am Ende gab es  eine tolle Wettfahrtserie und für unsere Mannschaft Helmut Santer/Hannes Pasnocht als zweitbeste Österreicher einen 6.Platz. Platz 10 belegten Roland und Marco Bezzi. Insgesamt waren 11 Mannschaften vom KYCO am Start.

Wie überall gingen in diesen Jahren die Teilnehmerzahlen bei unseren Klassenregatten immer mehr zurück. Die Aufrechterhaltung unserer Kassenpolitik wurde zunehmend schwieriger. Dem Rechung tragend, veranstaltet der KYCO seit einigen Jahren vermehrt Yardstickregatten. Auch die traditionelle Ossiacher See Segelwoche, die früher mit Klassenwertungen gesegelt wurden, wird heute als Yardstickregatta gesegelt.

1993 verstirbt Vizepräsident Arnulf Santer und der KYCO verliert mit ihm eine große Stütze und einen verdienten Funktionär aus der Gründergeneration. An ihn erinnert heute noch die Zipfregatta, die von ihm, als Absage an die Regattamüdigkeit, ins Leben gerufen wurde. Der Arnulf Santer Gedächtnispreis, wird jährlich an unseren Clubmeister vergeben.

Auch andere Mitglieder der Familie Santer haben im KYCO Spuren hinterlassen und sind leider nicht mehr unter uns. So verstirbt im Jahr 2000 auch sein Sohn Helmut viel zu früh an den Folgen einer schweren Erkrankung. Helmut Santer war mit einem Jugendmeister– und mit vier Staatsmeistertiteln, sowie zahlreichen EM- und WM-Platzierungen wohl der erfolgreichste und talentierteste Segler des KYCO. Seine größten Erfolge erzielte er in der Starboot- und in der Tempestklasse.

EIN HALBES JAHRHUNDERT KYCO

 

1997 legte KR Elmar Zernatto nach 41 Jahren Präsidentschaft seine Funktion zurück und wurde zum Ehrenpräsidenten ernannt.

Ihm folgte Ing. Peter Ermann als Präsident, der den Club von 1997 bis 2016 leitete.  Im Jahr 2016 übernahm Mag. Helmut Mayr die Präsidentschaft. 

In dieser Zeit entdeckten auch immer mehr Mitglieder den Hochsee-Segelsport. Zuerst mit Charterbooten, später dann immer mehr mit eigenen Booten, sind heute einige Mitglieder im Mittelmeer unterwegs. Dabei erstrecken sich die Hochseeaktivitäten nicht nur auf das Fahrtensegeln sondern auch auf das Regattasegeln. So wie am Binnensee sind auch am Meer die Erfolge unserer Segler nicht ausgeblieben.

2006 wurde im Beisein zahlreicher Gründungsmitglieder das 50. Bestandsjubiläum des KYCO gefeiert. Unser Clubhaus wurde renoviert und eine neu überdachte Terrasse, eine moderne Küche und neue WC-Anlagen ihrer Bestimmung übergeben. Leider konnte unser Ehren- und Langzeitpräsident KR Elmar Zernatto dieses Jubiläum nicht mehr erleben, da er bereits zwei Jahre zuvor 2004 verstorben war.

DER KYCO HEUTE

 

2007 wurde der Pachtvertrag für das ehemalige Janesch-Bad um weitere 20 Jahre verlängert und 2009 der Bestandsvertrag mit den Österreichischen Bundesforsten für unsere Marina ebenfalls um weitere 20 Jahre abgeschlossen. Bedauerlicherweise waren unser Bemühungen um die Pachtverlängerung der ostseitigen Landliegeplätze nicht erfolgreich, so dass wir Ende 2014 diesen Grundstücksteil räumen müssen.

Die Aktivitäten des Clublebens konzentrieren sich vorwiegend auf die Sommermonate und auf das Clubgelände Bodensdorf, das von Mitte April bis Mitte Oktober in Betrieb ist. Viele Instandhaltungsarbeiten werden von hilfreichen Mitgliedern beim Aus- und Einwintern oder bei Arbeitseinsätzen kostensparend erledigt. Natürlich wird so viel Hilfsbereitschaft nicht nur mit Würstel und Bier, sondern auch mit Beitragsvergütungen belohnt.

Gesellschaftlicher Höhepunkt ist das Sommerfest, das im Anschluss an die Zipfregatta stattfindet. Weiters finden im Zusammenhang mit den jährlichen 6 bis 7 Regatten jeweils Seglerabende mit Grillbuffet statt. Zum Saisonabschluss gibt es  im Anschluss an die Lange Wettfahrt ein Clubhaus-Kehraus.

Engagierte Junioren, die alle selbst einmal Teilnehmer an KYCO Jugendlagern waren, veranstalten jetzt für die Jüngsten einmal im Jahr an vier Tagen das Opti- und Min-Jugendlager. Für die Fortgeschrittenen gibt es Trainingstage, wo ebenfalls erfolgreiche Seglerinnen und Segler ihre Erfahrungen an unsere Jüngsten weitergeben.

Ein Mittelding zwischen Regattasegeln und gesellschaftlichem Treffen sind seit einigen Jahren die Samstagsregatten. An festgelgten Samstagen im Sommer wird, jeweils 1 Stunde lang, mit
Känguru-Start nach Yardstick gesegelt. Dabei wird das Regattasegeln nicht so tierisch ernst betrieben, der Spass steht eindeutig im Vordergrund. Die jeweils 4 besten Ergebnisse zählen für ein Anrecht auf einen Wanderpokal, der für Einrumpfboote und Zweirumpfboote gestiftet wurde.

 

Die Kommunikation mit den Mitgliedern erfolgt heute über die Vereinshomepage, über Email und über die periodisch erscheinenden KYCO-News. Jeden 1. Mittwoch im Monat treffen sich die Mitglieder zu Clubabenden: Im Sommer im Clubhaus Bodensdorf und, damit die Kontakte im Winter nicht einfrieren, zwischen Oktober und April in bekanntgegebnen Gaststätten.

 

Derzeit sind rund 80 Yachten im Bootsregister des KYCO eingetragen und der Mitgliederstand weißt 260 Mitglieder auf, wovon sind Jugendmitglieder sind.